Abraham – Eine Brücke zwischen den Religionen

Gedanken zur zweiten Podcastfolge von „Bibel und Koran im Dialog“

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Abraham verbindet

In der zweiten Folge unseres Podcasts „Bibel und Koran im Dialog – Der Podcast des Stuttgarter Lehrhauses mit Karl-Josef Kuschel“ haben wir uns einer besonderen Gestalt gewidmet: Abraham, der in Judentum, Christentum und Islam als gemeinsame Vaterfigur verehrt wird. Im Koran wird er als Ibrahim bezeichnet, als hanif, als aufrichtiger Gottsucher, der sich ganz Gott hingibt.

Im Zentrum unseres Gesprächs stand eine eindrückliche Szene: die nächtliche Nilfahrt des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt mit dem ägyptischen Präsidenten Anwar as-Sadat. In jener Silvesternacht 1977, unter dem Sternenhimmel, sprach Sadat von Abraham als einer gemeinsamen Wurzel der drei Religionen – ein Moment, der Schmidt tief bewegte und ihn zu der Erkenntnis führte: „Wir sind alle Kinder Abrahams.“

Für Prof. Karl-Josef Kuschel wurde diese Szene zur Schlüsselerfahrung. Sie war Ausgangspunkt für sein langjähriges theologisches Nachdenken über das Verhältnis von Bibel und Koran, das schließlich in seinem Buch „Die Bibel im Koran“ seinen Ausdruck fand. Kuschel betont, dass es nicht nur um theologische Parallelen geht, sondern um die tiefgreifende Frage: Wie kann Abraham zum Symbol der Verständigung werden – jenseits von religiöser Überheblichkeit und Ausgrenzung?

Wir sprachen darüber, wie Abraham in Bibel und Koran unterschiedlich dargestellt wird – und doch beide Überlieferungen denselben Geist atmen: Vertrauen, Aufbruch, Gottergebenheit. Ebenso wurde deutlich, wie Abraham im Laufe der Geschichte politisch, kulturell und literarisch interpretiert wurde. Die berühmte Ringparabel von Gotthold Ephraim Lessing wurde in diesem Zusammenhang als literarische Verdichtung einer interreligiösen Vision betrachtet – ein Aufruf zur gegenseitigen Anerkennung und zum ethischen Handeln.

Nicht zuletzt ging es in der Folge auch um aktuelle Initiativen wie die Abraham Accords und den neu errichteten Abrahamic Family House in Abu Dhabi. Beide zeigen: Abraham ist nicht nur eine Figur der Vergangenheit – er inspiriert auch gegenwärtige Versuche, Dialog und Koexistenz zwischen Religionen konkret zu leben.

Was nehmen wir mit?
Abraham steht für das radikale Vertrauen in Gott. Er ist kein Besitz einzelner Religionen – sondern Herausforderung und Einladung zugleich: zur Demut, zur gemeinsamen Verantwortung, zur Hoffnung auf Frieden.

In diesem Sinne: Möge der Geist Abrahams auch unsere Gespräche weiterhin begleiten.

Salam – Shalom – Frieden

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